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Sonstiges.
Antwort auf die Imagekampagne der Tiroler Landesrätin für Bildung
(Antwort auf den Brief kursiv)
Sehr geehrte Damen und Herren!
Sehr geehrte Frau Bildungslandesrätin!
Die Qualität der Arbeit unserer Pädagoginnen und Pädagogen ist in Österreich und im Besonderen in Tirol hervorragend. Leider wird Ihr Einsatz zum Wohle unserer Kinder nicht immer entsprechend gewürdigt.
Es gibt zweifelsohne unter PädagogInnen (so wie unter SchlosserInnen, ZahnäztInnen, PolitikerInnen, JournalistInnen, RechtsanwältInnen, ArbeiterInnen, Angestellten usw.) solche, die hervorragende Arbeit leisten. Wie in allen Berufsgruppen ist eine pauschale Beurteilung immer falsch.
Ich versichere Ihnen, dass der Tiroler Landesregierung bewusst ist, dass in unseren Bildungseinrichtungen engagiert gearbeitet wird. Wir benötigen jetzt und in Zukunft vermehrt gute und motivierte Pädagoginnen und Pädagogen. Von Seiten des Landes werden wir daher alles tun, um das Bild der pädagogischen Berufe zu verbessern. Das Schlechtreden unseres Bildungssystems und ganzer Berufsstände ist keine Lösung. Reformen sind notwendig, aber nur durchdachte und ausdiskutierte Reformen, die unter Einbeziehung der betroffenen Berufsgruppen geplant und umgesetzt werden.
Dass wir „jetzt und in Zukunft vermehrt gute und motivierte“ PädagogInnen benötigen, ist richtig. Wir brauchen aber auch vermehrt qut ausgestattete Arbeitsplätze für SchülerInnen und LehrerInnen.
Wichtig wäre deshalb der Um- und Ausbau von Schulgebäuden, die Verkleinerung von Klassengrößen, die Auflösung der Segregation von SchülerInnen nach dem Bildungsstand der Eltern, die Aufhebung der „Abfüllung“ von SchülerInnen 6 Stunden am Vormittag etc.
Das Bildungssystem wird nicht „schlechtgeredet“; es ist z.T. antiquiert und bietet kaum Antworten auf die zunehmende Auflösung familiärer Strukturen in einer multimedialen Gesellschaft.
Ja, Reformen sollen durchdacht und ausdiskutiert sein – wenn damit nicht gemeint ist, dass so lange diskutiert wird, bis alle VertreterInnen der betroffenen Berufsgruppen zufriedengestellt und alle Ziele zerredet sind.
Und genau hier wird mit der Imagekampagne für über 12.000 Tiroler Pädagoginnen und Pädagogen, welche an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen tätig sind, angesetzt! Unter Einbindung des Landesschulrates für Tirol und der Standesvertretungen startet diese Kampagne nach Ostern.
Weit vernünftiger wäre es, das Geld für die Imagekampagne einzusparen und direkt in den Um- und Ausbau und in die Reform von Schulen zu investieren. Die Imagekamapgne ist wie Kosmetik für Schwerkranke, sie ist aber kein Medikament.
Ich bitte um Ihre Unterstützung, denn was in der Schule und in den Kinderbetreuungseinrichtungen passiert, entscheidet nicht nur über die Zukunft unserer Kinder, sondern über die Zukunft unserer Gesellschaft.
Genau deswegen ist keine Imagekampagne nötig.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Beate Palfrader
Tiroler Bildungslandesrätin
Mit freundlichen Grüßen
Mag. Dr. Michael Bürkle
Lehrer, Personalvertreter
März 2010
Zentralmatura als Maßnahme zur Einschränkung des Unizugangs?
Die Diskussionen zum Thema Zentralmatura umfassen die verschiedensten Aspekte: Fragen der fachspezifischen Umsetzung und der schulinternen Vorbereitung. Die Sorge, dass kritische Reflexion und Lehrfreiheit zugunsten von „teaching for the test“ zurückgedrängt werden. Fragen, wer – formal und informell – den zu lehrenden „Kanon“ definieren wird….
Wir möchten hier eine weitere Problematik in die Debatte einbringen, die unserer Meinung nach bislang zu wenig Aufmerksamkeit gefunden hat: die Frage nach dem Zusammenhang von Zentralmatura und Zugangsbeschränkungen an den Universitäten.
BefürworterInnen der Zentralmatura argumentieren gerne, dass diese mehr Gerechtigkeit bringen würde: das Niveau würde einheitlicher werden, die Maturazeugnisse damit vergleichbarer und die Matura „gleichwertiger“. Auch würde die Ungerechtigkeit beseitigt werden, dass manche LehrerInnen die Matura quasi herschenken, während andere extrem rigid prüfen würden.
Dazu ist festzustellen, dass extreme Ungerechtigkeiten in die eine oder andere Richtung („Herschenken“ versus „Killerlehrer“) auch jetzt schon durch Maßnahmen der Schulaufsicht abzustellen wären. Das ist eine Frage des entsprechenden Willens. – Und was das „Niveau“ betrifft – da wäre eine inhaltliche Diskussion in den jeweiligen Fächern spannend, was genau darunter zu verstehen ist.
Zentral für alle SchülerInnen vergebene Aufgaben schaffen zudem nur so viel „Gerechtigkeit“, wie die Vorbereitungen auf diese Prüfungen vergleichbar verlaufen. Die Qualität von Unterricht sowie das Engagement und die Fähigkeiten von Lehrpersonen werden sich jedoch mit der Einführung der Zentralmatura nicht automatisch angleichen.
Gleichzeitig stimmt es natürlich, dass das (wie auch immer zu definierende) „Niveau“ an den einzelnen Standorten sehr unterschiedlich ist. Aber das war es immer schon und das hat jahrzehntelang keinen Bildungspolitiker sonderlich aufgeregt. Eher im Gegenteil: Im Rahmen der Schulautonomie wurden in den letzten Jahren unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und Vorstellungen von „guter Schule“ – formuliert in standortspezifischen Schulleitbildern – von der Politik ausdrücklich befürwortet.
Die Frage ist also: Warum jetzt? Warum entdecken BildungspolitikerInnen der verschiedensten Couleurs gerade jetzt, dass die Niveauunterschiede unerträglich groß seien und dringend mittels Zentralmatura reguliert gehörten?
Wir möchten zur Diskussion stellen, ob es dabei wirklich um „Gerechtigkeit“ geht – oder doch auch um die angestrebte EU-weite Vereinheitlichung der universitären Ausbildungsrichtlinien (Stichwort Bologna-Prozess) sowie um die schrittweise Einführung von Zugangsbeschränkungen an den Universitäten. In den meisten EU-Staaten sind diese Zugangsbeschränkungen bereits stärker ausgeprägt als in Österreich. Bei uns gibt es sie gegenwärtig in einigen Fächern (wie Medizin, Psychologie...), aber es könnten leicht mehr werden, wie viele Wortmeldungen von PolitikerInnen im Zuge der „Audimax-Bewegung“ vor Weihnachten gezeigt haben. Nachdem die Unis seit Jahren finanziell an der kurzen Leine gehalten werden, das objektiv nötige Geld von der Politik nicht ausreichend zur Verfügung gestellt wird, erscheinen Zugangsbeschränkungen als „unumgängliche“ Lösung für die – angeblich – zu vielen jungen Menschen, die eine universitäre Ausbildung anstreben. (Quasi nach dem Motto: „Erst aushungern, dann die Überfüllung beklagen, schließlich einschränken!“ – Zur Illustration: 1995 wurden in Österreich noch 6,2 % des BIP für Bildung ausgegeben (damaliger OECD-Schnitt 5,4 %). 2006 waren es nur noch 5,5, % - und damit weniger als der OECD-Schnitt von nunmehr 5,7 %.)
Ein universitärer Numerus-Clausus, der (wie bereits in vielen EU-Ländern) wesentlich auf den Maturanoten aufbaut, kann aber nur effizient sein, wenn die Matura gleichgeschaltet („zentral“) ist. Ansonsten kann ja nicht „gerecht“ verglichen werden, wer die kostbaren Studienplätze bekommen soll. Die Frage dabei ist allerdings, ob die „SiegerInnen“ dann auch wirklich die „Besten“ sind oder nur die am besten Angepassten?
Der Verdacht drängt sich auf: Es geht um Effizienz in der Selektion, nicht um „Gerechtigkeit“ in der Bildung. Die Zentralmatura wäre derart ein wesentlicher Schritt zur Einschränkung des freien Hochschulzugangs. Und das, obwohl der Akademikeranteil in Österreich mit 18 % deutlich unter dem OECD-Schnitt liegt. – Wir bräuchten mehr Studierende, nicht weniger. Und wir sollten Kritikfähigkeit, eigenständiges Denken und Freude am selbständigen Lernen fördern, nicht Anpassung und „teaching for the test“. Derart verstandene, auf die Person des Schülers, der Schülerin bezogene Förderung – Individualisierung also – steht im Gegensatz zur Zentralisierung durch die geplante Maturareform.
Und was das notwenige Geld – für die Verbesserung der Schulen wie der Universitäten – betrifft: Für die Rettung der Hypo Alpe Adria war binnen sehr kurzer Zeit sehr viel Geld da. Die Bank war ja bekanntlich „systemrelevant“.
Bildung ist auch systemrelevant.
Dienststellenausschuss und Gewerkschaftlicher Betriebsausschuss des BRG Bertha von Suttner, Donauinselplatz 1, 1210 Wien
15. 2. 10
1995 bis 2008 im Bildungsbereich 12 Mrd. eingespart
Die jetzt erschienene Ausgabe 4/2009 der Zeitung guernica der Werkstatt Frieden & Solidarität (www.werkstatt.or.at) hat den Schwerpunkt Bildung. Die Einsparungen im Bildungsbereich werden zurückgeführt auf Bologna-Prozess und Lissabon-Strategie.
Gerald Oberansmayr zitiert aus einem Arbeitspapier der EU-Kommission zur Umsetzung der Lissabon-Strategie von 2004, das sich dafür ausspricht, „Effizienz und private Investitionen im Bildungsbereich zu erhöhen.“ „Mehr finanzielle Anreize sollten in die Europäische Bildungs- und Trainingssysteme eingeführt werden, um die beschränkten öffentlichen Budgets zu kompensieren und stärkere Leistungselemente einzuführen. Solche Anreize (z.B. im Bereich der nicht-verpflichtenden Bildung) würden eine stärkere Differenzierung der Finanzierungsmöglichkeiten und eine bessere Mischung aus öffentlicher und privater Finanzierung miteinander verbinden. (...) Beispielsweise könnte die Einführung von Schulgeld oder anderen Gebühren mit einigen Einschränkungen und begleitenden Finanzierungsmaßnahmen die generelle Ausweitung der Finanzierung höherer Bildungseinrichtungen unterstützen.“ 1)
8 Uniräte der 11 österreichischen Universitäten werden lt. guernica „ bereits von Konzernvertretern gelenkt“.
Es werden Zahlen der Statistik Austria zusammengestellt, wonach von 1995 bis 2008 die Bildungsausgaben von etwas über 6% auf etwas über 5% des Bruttoinlandsprodukts gesunken sind. Damit hat die Regierung hier 12 Milliarden € eingespart.
Oberansmayer zitiert Christian Felber, wonach seit Einführung des EU-Binnenmarkts die durchschnittlichen Gewinnsteuersätze von 45 auf 30% gesunken sind, die Spitzensteuersätze der Einkommenssteuern von 62 auf 48% und die Besteuerung von Zinserträgen von 48 auf 33%. Die Dividendeneinkünfte der Aktionäre haben sich seit 1995 (wieder nach Statistik Austria) vervierfacht.
Unter dem Motto „Machen wir Bologna den Prozess“ wird für Donnerstag, den 11. März, Treffpunkt 15 Uhr am Westbahnhof in Wien zur Demonstration gegen das Treffen der BildungsministerInnen anlässlich der 10-Jahre-Jubiläumskonferenz des Bologna-Prozesses in Wien und Budapest aufgerufen.
1) EU-Kommission; Implementation of „Education and Training 2010“, Working Group E, „Making the Best Use of Ressources“, Dezember 2004, Brüssel
c.s. 10. 2. 10
Neues Dienstrecht schon in der Schublade - enorme Erhöhung der Lehrverpflichtung für alle?
Uns wurde berichtet, dass bei einer Wirtschaftskammer-Veranstaltung in Wien Sektionschef Stelzmüller zum geplanten neuen LehrerInnen-Dienstrecht gesprochen hat.
Das neue Dienstrecht sei fertig und werde 24 bis 25 Stunden Unterrrichtsverpflichtung für die LehrerInnen bringen (gehaltene Stunden, nicht in Werteinheiten umgerechnete). Eine „Senkung“ auf 23 sehe er als Spielraum für Verhandlungen.
Zweiklassendienstrecht werde es sicher nicht geben, d.h. alle im Dienst befindlichen LehrerInnen werden mehr Stunden machen müssen; eventuell könnten diese in den zusätzlichen Stunden auch "fördern", "coachen" oder "beaufsichtigen", sie müssten aber auf alle Fälle an der Schule arbeiten.
Die Gewerkschaft fürchte er nicht, das Ministerium werde das durchziehen. Weil PV-Wahlen sind, werde das noch nicht offengelegt.
Schmied sagte dasselbe in einem Interview in der Tiroler Tageszeitung vom 15. 11.: "Das neue Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrer ist eine zentrale Zukunftsfrage. Deshalb ist es wichtig, sie aus den Personalvertretungswahlen herauszuhalten, die Ende November stattfinden."
c.s. 7. 11. 09 + 21. 11.
Nach ÖVP-Schwenk funktioniert FCG-Feindbild Schmied nicht mehr so ganz
Außenminister Spindelegger ist ein Brief von aufgebrachten ÖAAB-Landeslehrern ins Büro geflattert. Die Kritik: Den Wahlkämpfern kommt das Feindbild abhanden.
Post von verärgerten niederösterreichischen ÖAAB-Landeslehrern hat ÖAAB-Chef, Außenminister Michael Spindelegger erhalten. Der Brief ist mehr als entlarvend: Beklagt doch Obmann Helmut Ertl darin wortreich, der jüngst eingeleitete schwarze Schulschwenk der ÖVP Richtung SPÖ-Schulreform durchkreuze deren Wahlkampf für die anstehenden Personal-Vertretungswahlen.
Ertl gibt zu, seine Fraktion habe den Wahlkampf "auf das direkte Lehrerfeindbild", Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) abgestellt und fragt bei Spindelegger an, ob nicht "auch der 27. November" für den Kurswechsel gereicht hätte. So aber werde der ÖVP-Schwenk medial breitgetreten und Schmied von der Partei überall gelobt. Lehrer und Funktionäre fühlten sich daher von ihrer ÖVP "verraten und verkauft", schreibt Ertl und warnt vor Auswirkungen bei den Wahlen. SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas fordert nun, die ÖVP dürfe sich nicht von der "ÖVP-Betonfraktion" vom Kurs abbringen lassen.
(aus: www.kleinezeitung.at vom 5. 11.)
Solidarität mit StudentInnen-Protest
LehrerInnen-Solidarität mit StudentInnen: Freier Hochschulzugang und keine Zweiklassen-Unis mit Schmalspur-Ausbildung (Bachelor) für viele und Universitätsbildung (Master) für eine Minderheit .
ÖLI-UG Österreichische LehrerInnen Initiative fordert von Wissenschaftsminister und Bildungsministerin klare Aussagen: Master-Studien für alle LehrerInnen - Her mit der Bildungsmilliarde!
Die LehrerInnenausbildung soll gemäß Regierungsprogramm 2010 neu geregelt werden. Wissenschaftsminister Hahn und Bildungsministerin Schmied sind zwar für eine Universitätsausbildung aller LehrerInnen, vermeiden aber jede Festlegung, ob sie Master-Studien für alle oder einen billigen Bachelor-Abschluss für Volks- und HauptschullehrerInnen (wie bisher) anstreben, und das Master-Studium auch in Zukunft nur AHS- und BMHS-LehrerInnen vorbehlaten bleiben soll. Das ständestaatliche Zweiklassensystem der LehrerInnen-Ausbildung und
-Bezahlung würde damit fortgesetzt und auch das Zweiklassensystem des Nebeneinanders von Hauptschule und gymnasialer Unterstufe.
Bildungsoffensive hieße
Ø Ausbau der Universitäten zu freien und ohne finanzielle und soziale Beschränkungen zugänglichen, weltoffenen Bildungs- und Forschungszentren - finanziell abgesichert, mit einer den steigenden Anforderung gemäßen Infrastruktur und ausreichend Personal für Forschung, Lehre und
Verwaltung mit menschenwürdigen Verträgen, Einkommen und Arbeitsbedingungen.
Ø Universitätsstudien für alle pädagogischen Berufe vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung
Ø Master-Studien für LehrerInnen aller Schultypen, "Upgrading" der APS-Ausbildung und Bezahlung
Ø gemeinsame ganztägige Schulen (Volksschulen, Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen) zur Verbesserung der sozialen Integration und zum Abbau von Bildungsbarrieren (wie sie Rektorenkonferenz-Vorsitzender Badelt gerade auch forderte)
Ø nachhaltige und ausreichende Finanzierung durch die öffentliche Hand, wie sie der ÖGB in seiner Solidaritätsadresse an die Studierenden einfordert
Die Unabhängigen GewerkschafterInnen in der GÖD unterstützen seit Beginn der Protestbewegung die StudentInnen, die eine ausreichende Finanzierung der Universitäten und Beseitigung sozialer Bildungsbarrieren fordern, Hörsäle besetzen und in den Hochschulstädten Großdemonstrationen organisieren und damit eine öffentliche Bildungsdiskussion ausgelöst haben.
Demokratische Universitätsreform und Schulreform jetzt!
Her mit der Bildungsmilliarde!
Her mit einem Konjunkturpaket Bildung, Soziales und öffentlicher Dienst!
Reinhart Sellner 30.10.2009
Rückfragen:
Reinhart.Sellner, Lehrer, Unabhängige GewerkschafterInnen in der GÖD
reinhart.sellner(at)blackbox.net, 0676 3437521
Gary Fuchsbauer, BMHS, Österreichische LehrerInnen-Initiativen
fuchsbauer(at)oeli-ug.at, 0680 2124358
WARUM SOLLTEN LEHRERiNNEN DIESE FCG WÄHLEN?
Der PV-Wahlkampf hat begonnen. Am kommenden Montag (19. 10.), unmittelbar nach der Einweihung der renovierten GÖD-Zentrale in der Teinfalstraße 7 um 15 Uhr kommt es zur FCG-Wahlauftaktrede durch den 2. Nationalratspräsidenten und GÖD-Vorsitzenden Fritz Neugebauer. Die Einladung kommt nicht von der FCG, sondern von der GÖD, dorthin sind auch die Rückfragehinweise zu richten. Ist die GÖD nicht überparteilich und überfraktionell? Oder ist sie Vorfeldorganisation von FCG/ÖAAB/ÖVP?
Im Vorfeld dieser Rede an die BeamtInnen-Nation haben die FCG-PflichtschullehrerInnen, genauer: die 9 ZA-Vorsitzenden der 9 Bundesländer, moderiert vom APS-Gewerkschaftsvorsitzenden Walter Riegler, ihren Wahlkampfauftakt begangen. Motto:" Arbeitsplatz Schule - Wo Wohlfühlen zum Kraftakt wird! Das neue Dienstrecht beginnt mit der Erhebung der Jetzt-Katastrophe."
Bleibt die Frage: Wenn der Arbeitsplatz Schule eine Jetzt-Katastrophe ist, Überforderurng und Burn-out und Einkommensverluste auf der Tagesordnung stehen: Welche Erfolge hat die FCG/VCL/ÖAAB/ÖVP-Mehrheitsfraktion und ihre Vorsitzenden in der GÖD und in den APS-Zentralausschüssen die letzten Jahrzehnte aufzuweisen? Warum sollten LehrerInnen bei den PV-Wahlen im November FCG/VCL/ÖAAB/ÖVP-Listen wählen?
Dem Befund, wonach Lärmstress für SchülerInnen und LehrerInnen und unzureichende LehrerInnenarbeitsplätze, Überforderung und Burn-out-Gefährdung (fehlendes sonderpädagogisches, sozialtherapeutisches und ebenso Verwaltungspersonal an den Schulen) beklagenswerte Misstände sind, werden sich nicht nur APS-, sondern auch AHS-, BMHS- oder BerufsschullehrerInnen anschließen können. Das Beklagen von offensichtlichen Missständen, das trotzige Bejammern des fehlenden Respekts der Medien und der Ministerin vor den LehrerInnen, Strafen für verhaltensauffällige Störenfriede oder das Warten darauf, dass gütige Landeshauptleute die SchülerInnenhöchstzahl 25 endlich auch als Landesgesetz beschließen lassen, sind kein Personalvertretungs- oder Gewerkschaftsprogramm für die nächsten 5 Jahre.
apa, Standard, Kurier, o-ton.at und eine Kamera von atv.at waren gekommen, auch der Kreidekreis der ÖLI-UG hat die Einladung der GÖD zu dieser FCG/VCL/ÖAAB/ÖVP-Veranstaltung wahrgenommen. Es gab keine Fragen an die Vorsitzenden, die Frage "Warum sollten die APS-LehrerInnen wieder die FCG/VCL/ÖAAB/ÖVP wählen?" ist mir erst beim Heimradeln gekommen. Als konkurrierender Wahlwerber hab ich mir aber vorgenommen gehabt, nur zu berichten und mich nicht in den Lauf der Veranstaltung einzumischen.
reinhart 17. 10. 09
HER MIT DER BILDUNGSMILLIARDE!
SCHULREFORM BEREDEN IST ZU WENIG: HER MIT DER BILDUNGSMILLIARDE!
Utl: Unabhängige GewerkschafterInnen zur Pressekonferenz Faymann-Schmied am
7.10.09
In der vom BMUKK herausgegebenen Presse-Information findet sich eine
übersichtliche Zusammenfassung von bereits Bekanntem, das aus Rücksicht auf die
ÖVP an entscheidenden Punkten vage bleibt. Was aber vor allem fehlt ist eine
klare Ansage zur Notwendigkeit einer ausreichenden Finanzierung der von Kanzler
Faymann und Bildungsministerin Schmied aktualisierten sozialdemokratischen
Bildungsreformpläne. Bildung kostet. Wenn die Bundesregierung dem Banken- und
Industriepaket kein Konjunkturpaket Bildung und öffentlicher Dienst folgen
lässt und meint, die LehrerInnen sollen einen nächsten "Beitrag" zur Sanierung
von Budget und Bildungsbudget leisten, werden mit den LehrerInnen die
SchülerInnen und ihre Zukunft draufzahlen.
"Ausbau der öffentlichen Bildungsangebote" und "zeitgemäße organisatorische und
personelle Rahmenbedingungen" sind ohne deutliche Ausweitung des
Bildungsbudgets nicht möglich.
Der "Ausbau ganztägiger Schulangebote" braucht große Investitionen in den
Schulbau (Küchen, Speisesäle, Freizeit-, Ruhe-, Sport- und Kreativräume ...)
und die Aufnahme zusätzlichen Personals (nicht nur zusätzliche LehrerInnen,
sondern - verstärkt durch den sich abzeichnenden LehrerInnenmangel - auch
HortnerInnen, FreizeitpädagogInnen, SonderpädagogInnen, Gesundheits- und
Krankenpflegepersonal oder etwa auch Küchenpersonal).
Das "Projekt 25 (Senkung der Klassenschülerzahl)" braucht ebenfalls mehr
LehrerInnen und an vielen Schulen auch zusätzliche Räume. Bis in welche
Schulstufe die 25er-Höchstzahl "fortgeführt werden muss" bleibt in diesem
sozialdemokratischen Positionspapier unklar - die von allen SchulpartnerInnen
geforderte Senkung der KlassenschülerInnenhöchstzahl auf allen Schulstufen,
also auch in den Oberstufen AHS, BMHS, Berufsschule, wird nicht explizit
aufgenommen.
Der "Fokus auf Schulen mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund" ist
ebenfalls ohne zusätzliches Personal (LehrerInnen, FreizeitpädagogInnen,
SozialarbeiterInnen ...) mit Migrationshintergrund nicht zu leisten. Ein
Konzept fürs Gewinnen dieser jungen für den Lehrberuf (ähnlich den
Förderprogrammen der Exekutive) wird in der Presse-Information nicht
angesprochen.
Eine klare Aussage zur Gesamtschule fehlt, die "neue Mittelschule" soll als
"Projekt" für die 10-14-Jährigen "fortgeführt" werden. Von einer Auswertung
dieses laut Regierungsprogramm befristeten Projektes oder von seiner
flächendeckenden Ausweitung anstelle der bestehenden HS, KMS und
AHS-Unterstufen ist keine Rede - die ÖVP-Lobby für die Beibehaltung des sozial
selektiven Nebeneinander von HS und AHS in der Sekundarstufe I wird das mit
Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Aber auch in diesem vergleichsweise kleinen
Schulversuchsbereich werden Mehrkosten anfallen und bei einer vielleicht doch
angepeilten flächendeckenden Unsetzung erst recht.
Da jeder zusätzliche Finanzierungsbedarf von Bundeskanzler und Ministerin
verschwiegen wird, werden die LehrerInnen die Ankündigung eines "zeitgemäßeren,
leistungsorientierteren und in Richtung Ganztagsstruktur umgestalteten" neuen
LehrerInnendienstrechtes so verstehen, wie es die Ministerin im März/April
angekündigt hat: Arbeitszeiterhöhung zur Verbilligung der Personalkosten, weil
der Finanzminister kein ausreichendes Bildungsbudget bereitstellt und der
Kanzler das in Ordnung findet. (Dass es bei den Verhandlungen der
LehrerInnengewerkschaften einigen Spielraum geben könnte, zeigt das derzeitige
"Wording" von SPÖ und ÖVP, das sich zwischen Lehrpflichterhöhung, mehr
Unterrichtsstunden und mehr Anwesenheit in der Schule bewegt. Daraus lässt sich
auch weniger Heimarbeit ableiten und unterm Strich die Forderung nach
Verringerung von Arbeitszeit und Arbeitsbelastung und - in Verbindung mit dem
Abbau von "Doppelgleisigkeiten in der Schulverwaltung zwischen Bund und
Ländern" - Entlastung durch Anstellung von Verwaltungspersonal und anderen
Nicht-LehrerInnen für Nicht-Unterrichtstätigkeiten an den und für die Schulen.
Die "gemeinsame Ausbildung für alle im Lehrberuf Tätigen" kommt ohne die
Begriffe "Universitätsausbildung" und "Master-Studien" für alle LehrerInnen
aus, auch hier ist es der offensichtliche zusätzliche Finanzierungsbedarf für
Ausbildung und künftige "vollakademische" Gehälter auch der APS-KollegInnen,
der Kanzler und Ministerin darüber schweigen lässt. Ebenfalls ausgespart bleibt
die in Zusammenhang mit Verwaltungs- und Ausbildungsreform und einer
gemeinsamen Schule bis 14 oder 15 sinnvolle Übernahme der LandeslehrerInnen
durch den Bund, der damit nicht nur Geld- sondern auch Dienstgeber wäre.
SCHULREFORM BEREDEN IST ZU WENIG: HER MIT DER BILDUNGSMILLIARDE!
Reinhart Sellner, Gary Fuchsbauer,
Unabhängige GewerkschafterInnen im öffentlichen Dienst
ps: "Mehr Verantwortung für den Schulstandort" muss mehr sein als "und mehr
Verantwortung für den Direktor." Auf die diesem Ansatz entsprechende
Verstärkung der Personalvertretungsrechte am Standort in Richtung von
Betriebsratsrechten (Mitwirkungs- und Einspruchsrechte, die die Schulleitung
ohne Instanzenweg binden) und auch der Rechte der SchulpartnerInnen haben die
beiden DienstgeberverteterInnen vergessen.
Rückfragen: sellner(at)oeli-ug.at, fuchsbauer(at)oeli-ug.at, 0680 2124358.
Weiterführende Infos zum Thema: www.oeli-ug.at, www.ugoed.at
Brief an Schmied zur OECD-Studie
ÖLI-UG
Österreichische LehrerInnen Initiative / Unabhängige GewerkschafterInnen - www.oeli-ug.at
An
Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied
BMUKK - 1010 Minoritenplatz 5
1. Oktober 2009
Anfragen
der Österreichischen LehrerInnen Initiative - Unabhängige GewerkschafterInnen (ÖLI-UG) aus Anlass des Internationalen WeltlehrerInnentages 2009 - „Investitionen in die Zukunft sind Investitionen in die LehrerInnen“
Sehr geehrte Frau Bundesministerin!
Die Notwendigkeit von Schulreform und Bildungsinvestitionen erscheint unbestritten, die globale Wirtschaftskrise unterstreicht die akute Dringlichkeit. In der österreichischen Diskussion wird der zusätzliche Finanzierungsbedarf des Bundes für notwendige Bildungsinvestitionen weitgehend ausgeblendet, stattdessen sollen´s wir LehrerInnen billiger geben, Arbeitszeiterhöhung und Einkommensverluste unsererseits statt der notwendigen Budgeterhöhung und Verwaltungsreform. Einer im Vergleich mit Banken- und Industriepaketen bescheidenen Erhöhung des Bildungsbudgets hat der Finanzminister im Frühjahr die Zustimmung verweigert, und die Schulverwaltungsreform wird von den Landeshauptleuten aus partei- und machtpolitischen Gründen abgelehnt.
Die OECD-Studie „Education at a Glance 2009“ wurde dazu benutzt, bestehende Vorurteile zu verstärken: Im internationalen Vergleich unterrichten wir LehrerInnen angeblich zu wenig und sind dazu auch noch zu teuer.
Weil wir Unabhängigen GewerkschafterInnen in der GÖD die tatsächlichen, in den letzten 12 Jahren „kalt“ erhöhten Arbeitszeiten und Belastungen – die eigenen und die unserer KollegInnen an APS, AHS, BS und BMHS – kennen, vermuten wir,
I.
dass bei der OECD-Studie die nicht-unterrichtliche Arbeit vieler LehrerInnen nicht in ihrem tatsächlichen Ausmaß erfasst und berücksichtigt worden ist. Konkret sind das Formen der Freistellung vom Unterricht bzw. die Dienstzuteilungen an nicht-schulische Bereiche, und zwar
1.1 Freistellungen
- für Verwaltung und Administration (Schulleitung, Administration, Verwaltung von Lehrmittelsammlungen, Bibliotheks- oder Computer-Kustodiate ...)
- für soziale und pädagogische Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts (Beaufsichtigung, Nachmittagsbetreuung, sozialpädagogische und individuelle Krisenintervention und Beratung, Konfliktlösung, Erste Hilfe ...
- für Personalvertretung und Gewerkschaft; politische MandatarInnen u.a.)
1.2 Dienstzuteilungen
an nicht-schulische Bereiche des öffentlichen Dienstes (Ministerium, LSR/SSR, Universitäten und PH u.a., „ausgegliederte Bereiche“ wie BIFIE u.a.)
Freistellungen und Dienstzuteilungen sind vielleicht eine österreichische Besonderheit. Ob sie bei der österreichischen Bildungsplanung und Kostenrechnung und ob sie im internationalen Vergleich berücksichtigt werden, war den Medienberichten nicht zu entnehmen. Daher ersuchen wir Sie um Beantwortung folgender Frage:
Inwieweit wurde und werden Freistellungen oder Dienstzuteilungen für nicht-unterrichtliche Tätigkeiten bei den Erhebungen für die OECD berücksichtigt und - wenn das nur eingeschränkt der Fall sein sollte: Wie wirkt sich eine Bereinigung dieser Unschärfe auf das europäische Kostenranking aus?
2.
In anderen OECD-Staaten ist es üblich an Schulen auch nicht-pädagogisches Personal für Verwaltungstätigkeiten, sozialpädagogische und therapeutische Hilfestellung, für Betreuung und die Gesundheitsvorsorge zu beschäftigen. Dieser wichtige Bereich der Bildungsausgaben bleibt bei der Debatte der Kosten des Schulsystems national wie im internationalen Vergleich ausgeblendet. In Österreich müssen viele dieser Tätigkeiten von LehrerInnen übernommen werden.
Da an Schulen auch Nicht-LehrerInnen notwendige Bildungs-, Beratungs- und Betreuungsarbeit leisten und in Österreich wie in den anderen OECD-Staaten Kosten verursachen, müssten auch hier Dienstposten und Personalkosten anfallen und den LehrerInnen-Kosten zugezählt werden, wenn die tatsächlichen Bildungskosten erhoben und verglichen werden. Andernfalls kommen die LehrerInnen als „zu wenig unterrichtend“ in die Statistik, während die von ihnen zu kompensierende Unterversorgung mit nicht-unterrichtendem Personal nicht in den Blick kommt.
Unsere Fragen zu diesem Thema:
Welches Nicht-LehrerInnen-Personal (FreizeitpädagogInnen, ErzieherInnen, HortpädagogInnen, Sonder- und HeilpädagogInnen, SchulpsychologInnen, TherapeutInnen, SozialarbeiterInnen, Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, Verwaltungspersonal, LaborantInnen, NetzwerktechnikerInnen u.a.) wurde in dem in der OECD-Studie verglichenen Zeitzraum beschäftigt?
Wie hoch waren die Ausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden für dieses Personal im internationalen Vergleich?
Die ÖLI-UG unterstützt demokratische und soziale Reformansätze im Bildungsbereich und tritt an den Schulen, in der GÖD und in der Öffentlichkeit für ihre ausreichende Finanzierung ein. Die Neuauflage von Sparpaketen – wie Ende September in den Medien wieder angekündigt – zu Lasten der LehrerInnen, der SchülerInnen und Eltern lehnen wir ab. „Faktenbasierte“ Verhandlungen über ein neues gemeinsames LehrerInnendienstrecht brauchen für die Beurteilung der LehrerInnenarbeit aussagekräftige Daten. Die Aufforderung „Bildungsreform jetzt: Her mit der Bildungsmilliarde!“ richtet die ÖLI-UG nicht allein an Sie als Bildungsministerin, sondern an die gesamte Bundesregierung.
Mit freundlichen Grüßen, in Erwartung Ihrer Antwort
für die ÖLI-UG:
Reinhart Sellner, AHS, sellner@oeli-ug.at, 0676 3437521
Gabriele Bogdan, APS, bogdan@oeli-ug.at, 0664 88437289
Gary Fuchsbauer, BMHS, fuchsbauer@oeli-ug.at , 0680 2124358
ÖLI-UG, Österreichische LehrerInnen Initiative - Unabhängige GewerkschafterInnen für mehr Demokratie, Pflasterweg 7, 4643 Pettenbach, oeli@kreidekreis.net, www.oeli-ug.at, www.ugoed.at.
Reinharts Bericht aus der Sitzung der AHS-Bundesleitung / GÖD vom 23. Juni
1. Autonome Tage: Wir haben dank der BMHS-Infos die Frage der autonomen Tage angeschnitten und erfahren, dass der Scheriau-Wunsch (Bundeselternverein) nach Kompensation der Zwickeltage durch Wiederholungsprüfungen in der letzten Ferienwoche eine Einzelmeinung im Nachhinein war, alle anderen SchulpartnerInnen haben das abgelehnt und in ihrer schriftlichen Stellungnahme an Schmied (= Grundlage für die BMUKK-Entscheidung) bleibt damit alles wie es ist, vor allem weil die SchülerInnen die übrigen ElternvertreterInnen überzeugt haben.
2. Maturareform: Unsere Anträge für Aufnahme von gewerkschaftlichen Verhandlungen über die Maturataxen + Abgeltung haben wir zurückgezogen, weil die politische Einigung Amon-Schmied am 22.6. noch nicht bekannt war, und die Taschner-Aussagen in der Kronen-Zeitung und AmonsHusch-Pfusch-Aussagen drei Tage zuvor in Richtung teil-standardisierter Klausuren gedeutet wurden. Wir haben deponiert, dass mit der politischen Einigung unser Antrag schlagend wird: offensive Verhandlungen ohne Zeitdruck.
3. Schultypenübergreifende ARGE-LehrerInnen-Tagung zum LehrerInnendienstrecht abgelehnt: Unser Antrag, der darauf zielte, dass die ARGE LehrerInnen aktiviert wird, um schultypenübergreifend und mit GÖD-Rechtsexperten Erfahrungen mit unterschiedlichen Dienstrechten und gemeinsame bzw. differente Meinungen zu beraten und so ein Divide-et-impera vor dem Einstieg in die Dienstrechtsverhandlungen zu vermeiden, wurde abgelehnt. FCG und FSG sahen darin keinen Sinn, - das wolle nur die ÖLI wegen der Gesamtschule, - die LandeslehrerInnen gehen uns nichts an, wir wollen für uns ein optimales BundeslehrerInnen-Dienstrecht, daran könne sich die APS ja orientieren - ein LehrerInnendienstrecht für alle kommt sowieso nicht, dafür fehlt derzeit das Geld - die Landeshauptleute werden die (Schul-)Verwaltungsreform sowieso blockieren, - wir warten lieber, was der Dienstgeber uns vorlegen wird, - wir warten mit dem Verhandeln, bis die Krise/Budgeteinsparungen vorbei und der LehrerInnenmangel groß sein wird - die LehrerInnen haben da keinen Handlungsbedarf, wir setzen taktisch auf Zeit ... Kurios die Form der Ablehnung: Die Vorsitzende stellte einen Gegenantrag, dass jede Fraktion mit ihren FraktionskollegInnen der anderen LehrerInnensektionen über das neue Dienstrecht diskutieren soll. Ein überparteiliches Gremium fasst gegen die ÖLI-UG-Stimmen einen bindenden (?) Beschluss für Fraktionen, damit es als überparteiliche Gewerkschaft nichts zu tun braucht.
4. Wieder keine Wiener Landes-Wahlen der AHS-Gewerkschaft.
Eine kleine Sensation brachte unser Antrag auf Wahl der Wiener Gewerkschaftsdelegierten zum AHS-Bundestag (früher Bundessektionstag) der AHS-Gewerkschaft. Was wir erreicht haben: Es wird ein Wiener Rundschreiben geben, in dem erstmals vor der GBA-Wahl mitgeteilt wird, dass mit dem GBA per Umlegung auch die Fraktionen der Bundesleitung mitgewählt werden.
23. 8. 09
Es bedarf des aktiven Engagements für ein gerechteres Schulsystem
Kurt Scholz zitiert in einem Kommentar in der Presse (26. 5. 09) aus der neuen Broschüre der Katholischen Aktion Österreich:
"'Weiterhin bestimmt die soziale Herkunft die Bildungskarriere' und: 'Die Bildungsdefizite der Herkunftsfamilie werden durch die Schule in Österreich nicht behoben, sondern fortgeschrieben.' Als Fazit bleibt 'eine traurige Feststellung: das österreichische Schulwesen ist nicht gerecht. Christinnen und Christen können das nicht so einfach hinnehmen. (...) Als Christen (...) müssen wir in diesem Fall von einer strukturellen Sünde sprechen, an der die Angehörigen der oberen sozialen Schichten beteiligt sind (...) Um sich von dieser Sünde zu befreien, bedarf es des aktiven Engagements für ein anderes, gerechteres Bildungssystem.'"
Die Broschüre mit dem in der Überschrift genannten Titel kann bestellt werden bei office@kaoe.at
1. 6. 09 c.s.
Wir streiken nicht gegen die Schulreform!
Sehr geehrter Herr Schilcher!
In einem Kommentar der Anderen im Standard vom 31. März schreiben Sie abschließend: "Es ist also (...) jedermann klar, wohin die Reise geht. Auch natürlich in Richtung Ganztagsschule und ganztägiger Anwesenheit aller Lehrer an den Schulen. In Wahrheit sind es daher diese von der Expertenkommission und Ministerin Schmied immer wieder schriftlich und mündlich vorgetragenen Reformvorschläge, gegen die von den Gewerkschaften gestreikt wird. Nicht gegen die zwei zusätzlichen Stunden oder gar gegen die Art und Weise, wie diese an die Öffentlichkeit gelangten. Das ist nur vorgeschoben."
Wir können nicht für alle gewerkschaftlich organisierten oder streikbereiten KollegInnen und Kollegen sprechen, aber auf die in der Österreichischen LehrerInnen Initiative aktiven trifft Ihre Aussage nicht zu: Wir streiken tatsächlich - nicht "vorgeschoben" - dagegen, dass wir die oben skizzierte Schulreform mit uns unzumutbarer Mehrarbeit, Gehaltseinbußen und größerer Arbeitspaltzunsicherheit für jüngere KollegInnen finanzieren sollen.
Wir von der Offenen Plattform für eine Gemeinsame Schule in Tirol haben Sie vor einem Jahr zu einer Veranstaltung in Innsbruck eingeladen und uns über die gemeinsamen Anliegen bezüglich einer in Österreich notwendigen Veränderung der Schule verständigt. Und wenn wir nun streiken, was wohl alle in der Plattform oder der ÖLI organisierten Lehrer und Lehrerinnen tun werden, dann sicher nicht gegen eine notwendige und sinnvolle Schulreform, wie Sie und wir sie uns erhoffen!
Mit solidarischen Grüßen
Christian Schwaiger 17. 4. 09
Vermögenssteuerdiskussion: Vorschlag für einen "fairenBeitrag zur Bewältigung der Krise"
Richard Huber hat im letzten Kreidekreis Vorschläge gemacht, wie der finanzielle Mehrbedarf im Bildungsbereich gedeckt werden könnte. (Siehe auf dieser Webseite unter Kreidekreis – Zeitung / 3/2009, S 15) Und sogar im Standard (11. 4.) haben ähnliche Überlegungen Platz, im Kommentar der Anderen von Georg Herrnstadt, einem von den Ex-Schmetterlingen (die mit der Proletenpassion):
"Die Verhinderer der Vermögenssteuer können sich hinter vernebelnden und irreführenden Wortspenden in vielen Medien verschanzen. Die Vermögenssteuer würde den Mittelstand treffen, die kleinen Häuslbauer und Familienbetriebe! Dabei ginge es im Wesentlichen um die 77.000 Dollarmillionäre in Österreich und die wachsende Zahl unter ihnen, die in den Kreis der Milliardäre aufgestiegen ist.
Die Ungerechtigkeit ist himmelschreiend. (...) Würden nur die Vermögen der reichsten zehn Prozent der Österreicher mit einem Prozent Steuer belegt, brächte dies dem Staatshaushalt rund sechs Milliarden Euro an Einnahmen im Jahr - so die Berechnungen von Attac auf offizieller Datenbasis. (...) Schon nach zwei Jahren brächte die Vermögenssteuer Einnahmen in mehrfacher Höhe des "Konjunkturpaketes", das jetzt durch Einsparungen im Staatshaushalt und neue Schulden finanziert werden soll. 90 Prozent der Österreicher/innen würden von der Vermögenssteuer profitieren, die nur von jenen zehn Prozent zu leisten wäre, die durch das neoliberale Umverteilungsprojekt der letzten 20 Jahre gewonnen haben. Das wäre ein fairer und effizienter Beitrag zur Bewältigung der Krise."
cs 17. 4. 09
Früher waren es die VoestlerInnen, jetzt die LehrerInnen, als Nächstes die ArbeiterInnen in der ÖMV oder sonst wo
Mit ÖGB-Chef Foglar führten Peter Mayr und Günther Oswald ein Interview, das am 17. 3. im STANDARD abgedruckt war. Daraus die Passage, wo auf die momentane 2-Stunden-Plus-Geschichte eingegangen wird:
"Standard: Sehen Sie die Sozialpartner-Tradition in Gefahr?
Foglar: Nein, im Gegenteil. Die Standpunkte bei den Lehrern sind halt momentan noch weit auseinander, deshalb braucht es Verhandlungen. Es wäre aber gut, die Zahlen, Daten und Fakten zum Budget offenzulegen. Wenn die nicht veröffentlicht werden, wird es schwer zu verhandeln.
Standard: Auffallend ist, dass es bisher nur bei den Beamten Proteste gibt. Muss der "geschützte Bereich" nicht auch einen Beitrag leisten?
Foglar: Wenn man so wie bei den Lehrern einen jahrzehntelangen Grundkonsens verändern will, wird man das nur in beiderseitigem Einvernehmen können und nicht durch ein einseitiges Diktat. Darum geht es. Es hat kein einziger, der von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen ist, einen Vorteil, wenn die Lehrer zwei Stunden mehr in den Klassenzimmern stehen. Das ist das fatale an der Diskussion. Es geht um dringend notwendige Reformen im Bildungssystem.
Standard: Sie sind also nicht grundsätzlich gegen die zwei Stunden?
Foglar: Es braucht ein Maßnahmenpaket. Das schließt auch die Arbeitsbedingungen der Lehrer und das Entlohnungssystem ein. Wir haben auch riesengroße Probleme bei Schülern, die die Grundschule verlassen. Da braucht es viele Maßnahmen:die Neue Mittelschule, Projektunterricht, verpflichtende Sprachförderung und und und. Es ist nicht gut, wenn man das nur an den zwei Stunden festmacht.
Standard: So eine umfassende Reform ist aber schwer bis April möglich, wie Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) das plant.
Foglar: Ich halte es auch nicht für sehr glücklich, wenn man versucht, aus der aktuellen Budgetsituation heraus das Problem mit den zwei Stunden zu lösen. Das ist kein zielführender Weg. Wenn man das Bildungssystem wirklich zum Positiven verändern will, dann muss man auch die Budgetmittel zur Verfügung stellen.
Standard: Pessimisten befürchten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet sein könnte, wenn die Arbeitslosenzahlen weiter explodieren. Muss man sich darauf vorbereiten?
Foglar: Natürlich, das ist vielleicht einer der wichtigsten Punkte. Wir haben das schon so oft mitgemacht. Jetzt sind es die Lehrer. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da waren es die "privilegierten" Voestler, als nächstes sind es die Gemeindebediensteten oder die Industriearbeiter in der ÖMV oder sonst wo. Wenn wir so weitertun, dann schaffen wir genau das, was wir verhindern wollen. Nämlich, dass in einer Krise die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen auseinanderdividiert oder sogar gegeneinander aufgebracht werden. Genau das Gegenteil brauchen wir aber. Wir brauchen den Zusammenhalt und die Solidarität."
Die Kollegin in der Soazialdemokratie, Frau Ministerin Schmied, denkt derweil über ein Streikverbot bei LehrerInnen nach.
(Das gesamte Interview ist nachzulesen unter: http://derstandard.at/?url=/?id=1234509619099)
Frühlingsbeginn 09 cs
Der verlässliche Pröll
Im Protokoll zur großkoalitionären Vereinbarung im Rahmen der Verhandlungen zum Bildungsbudget steht, dass allfällig notwendige Reformmaßnahmen (wie etwa Dienstrecht, Lehrverpflichtung, Fortbildung in der unterrichtsfreien Zeit u. a.) legistisch im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes umgesetzt werden sollen.(1)
Der verhandelnde Finanzminister sagt aber zu der Schmiedschen Lehrpflichterhöhung: „Ich lasse mich da nicht hineinziehen.“
Denn im Protokoll steht weiter, „die Umsetzungsverantwortung liegt bei Frau BM Schmied“. Auch zeigt der BM für Finanzen Stehvermögen und gleichzeitig Verständnis für die – evtl. 2 Stunden länger – in den Klassen Stehenden: „Ich verabschiede mich aber nicht von meinem Budget. Das tue ich nicht. Aber was ich verlange: dass Minister mit ihren Maßnahmen nicht Betroffene brüskieren.“ (Günter Traxler nennt das Bauernschläue.)
Frau BM Schmied schrieb dem Kollegen daraufhin einen Brief: „Du hast mir Deine volle Unterstützung bei strukturellen Reformen im Personalbereich, so auch bei der Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung zugesichert“. Klingt irgendwie plausibel.
Schmieds Kollege äußert sich überhaupt oft zu der Causa: N. Glattauer verweist in seinem Kommentar Lehrerleid und Gewerkschaftsjammer auf das (wohltuende) Machtwort des Finanzministers, dass die Arbeitszeitverlängerung keinen Lehrer den Job kosten wird.
Das ist wenigstens für die jüngeren Kollegen (auch die Kolleginnen?) ein bisschen beruhigend, denn auf unseren Pröll ist Verlass!
1) Alle kursiv gesetzten Zitate stammen aus dem Blattsalat von Günter Traxler im STANDARD vom 3. 3., hier erschien auch Glattauers Kommentar.
5. 3. 09 cs
Hogwarts und die Zentralmatura
Was uns nicht auffiel und worauf uns Paulus Hochgatterer in der Preisrede zur Verleihung des Radiopreises für Erwachsenenbildung am 19. Jänner hinwies: der Zusammenhang zwischen dem braven Harry Potter und der Zentralmatura, an der gerade eifrig gebastelt wird:
„Unser primär selektionsorientierte(s) Erziehungssystem kann als die Ausgeburt einer Primitivvariante christlicher Jenseitslehre begriffen werden: gut oder böse, Himmel oder Hölle; man kann aus einem psychiatrisch-psychoanalytischen Blickwinkel die polaren, auf Zwischentöne verzichtenden Denkmechanismen einer frühen psychischen Störung diagnostizieren: schwarz oder weiß, gut oder böse, Überleben oder Vernichtung; oder es kann mit Niklas Luhmann als ein Apparat gesehen werden, dessen Bestimmung es ist - unter Anwendung des binären Codes: bestanden/ durchgefallen - aus Kindern Trivialmaschinen zu erzeugen.
Zitat Luhmann: 'Trivialmaschinen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie auf einen Input dank einer gespeicherten Regel einen bestimmten Output produzieren. Auf eine Frage geben sie, wenn richtig programmiert, die richtige Antwort. (...) Trivialmaschinen lassen sich leicht beobachten und beurteilen, man braucht nur festzustellen, ob die Transformation von Input zu Output richtig funktioniert.' Trivialmaschinen mucken nicht auf, reden nicht zurück, haben nur die richtigen Ideen. Sie geben Antwort, wenn es von ihnen erwartet wird, und am Abend liegen sie im Bett, Köpfe auf den Pölstern, Hände auf der Decke.“
Damit ist Harry Potter gemeint, der in Hogwarts diese Schlafhaltung einnehmen muss, sonst wird ihm sein Besen für zwei Wochen in den Schrank gesperrt. Und jetzt endlich der im Titel angekündigte Konnex: „Systeme (...), die auf Triebunterdrückung basieren, denen es darum geht, den Voldemort im Menschen, also Lust und Aggression unter Verschluss zu halten und zu kontrollieren, neigen zur Systematisierung und Ausweitung wie in der Psychiatrie der Wahn. Die ganze Welt wird Hogwarts, man lernt unter Aufsicht ein Leben lang, kriegt alle paar Jahre die Prüfplakette und knapp vor dem Tod machen alle die gleiche Matura. Die Humboldt'sche Maxime, Ziel der Pädagogik sei es, Kinder ins Erwachsenenalter zu führen und selbstständiges Lernen zu ermöglichen, wobei die Fähigkeit zu Letzterem in der Regel mit dem Erlangen der Universitätsreife erreicht sei, gilt längst nicht mehr. Gymnasium und Studium funktionieren zunehmend gleich, Originalität ist verdächtig, und Ungehorsam führt zum Rauswurf.“
Erstaunlich, dass Paulus Hochgatterer (als Nichtlehrer) sich so intensiv mit den neuesten Entwicklungen im österreichischen Bildungswesen auseinander setzt.
(Die Rede erschien im Album des Wochenend-Standard vom 30. 1., siehe derstandard.at – Suche: Hochgatterer)
cs 18. 2. 09
Andreas Salchers Analysen des Bildungswesens und die Ziele für die Schule 2009
Montags sind immer wieder so tiefsinnige Gedanken vom „KURIER-Schüleranwalt“ Salcher zu lesen wie: „Schule müsse mehr sein als ein langer Regen, durch den man einmal im Leben durch muss.“ (29. 12.) Dann holt er sich bezüglich der Ziele für Österreichs Schule im Jahr 2009 die Unterstützung von – Michelangelo: „Die größte Gefahr für die meisten von uns ist nicht, dass wir hohe Ziele anstreben und sie verfehlen, sondern dass wir uns zu niedrige setzen und sie erreichen“, meinte dieser, aber als Menschen, die wir in der Schule arbeiten, haben wir keine solche Abneigung gegen ein paar erreichte Ziele im neuen Jahr. Der Schulexperte jedoch denkt universalhistorisch, denn er „weiß“, dass in den nächsten 30 Jahren mehr Menschen eine Schule abschließen werden als in der gesamten Geschichte der Menschheit.
In einem Artikel auf derselben Seite fassen zwei Redakteurinnen die Meinungen von KURIER-LeserInnen zum Thema Ferien zusammen, denn Andreas Salcher hatte am Montag zuvor eine Änderung der Ferienordnung gefordert. Aktueller Anlass: Die SchülerInnen sind nach diesem Herbst, in dem es „so wenig freie Tage“ wie schon lange nicht mehr gegeben hat, „ausgepowert“. Ein Schüler der vierten Klasse HAK „weiß aus Erfahrung, dass die 'Weihnachtszeit furchtbar ist. Besonders der November ist schrecklich und wird jedes Jahr schrecklicher.'“ „Die Lösung:“ Herbstferien. Die Tourismuswirtschaft ist mit ihrem KURIER zufrieden.
Überhaupt gibt es zu viele Ferien, Kinder sitzen nur 180 Tage in der Schule und also „fast die Hälfte des Jahres zu Hause“. Das kann nicht gut gehen. Ein Leser würde daher zB „die Sommerferien auf sechs Wochen limitieren, wie es in England schon seit Jahren funktioniert. Es wird versucht, krampfhaft in die paar Wochen Schule alles reinzustopfen. Da ist es kein Wunder, dass die Kinder immer schlechter werden.“
Weniger Ferien brächten auch den Vorteil für die Eltern, meint ein anderer Leser, „die Sprösslinge nicht dauernd beschäftigen zu müssen.“
30.12.08 cs
(2 Artikel zu Salcher + 1 Leserinbrief können nachgelesen werden auf dieser Webseite unter dem Link „Kreidekreis - Zeitung“ - Nr. 4/2008, S 12+13.)
Wir sind Teil eines überalterten Apparats
In einem Artikel mit dem Titel „Beamtenapparat ist überaltert“ plus einem Kommentar dazu standen im Wochenend-Standard interessante Zahlen:
Der Personalstand des Bundes sank zwischen 1999 und 2007 um 33760 „Vollbeschäftigtenäquivalente“ auf 132.731; 65 Prozent BeamtInnen, die anderen Vertragsbedienstete, Durchschnittsalter: 44,1 Jahre.
Maßnahmen, die zu dieser Reduktion führten, waren unter anderem Frühpensionierungswellen, Ausgliederungen und Aufnahmestopp (der allerdings nicht für LehrerInnenposten galt; wieder einmal in Erinnerung rufen wollen wir an dieser Stelle auch einen anderen Stopp, den der Pragmatisierungen: Was mit den Ansuchen passieren soll, die seit Riess-Passers Zeiten im Bundeskanzleramt liegen, ist immer noch nicht entschieden).
Von den LehrerInnen wird bis 2019 jedeR Zweite in Pension gehen. Dass deshalb eine Offensive des Ministeriums zur Motivierung von MaturantInnen für ein Lehramtsstudium dringlich ist, haben wir als ÖLI-UG schon in mehreren Anträgen in den Gremien eingebracht. Unserer Meinung nach wär's übrigens auch von großer Wichtigkeit, gerade MaturantInnen „mit Migrationshintergrund“ zu gewinnen und zu fördern, das sehen KollegInnen der anderen Fraktionen offenbar anders.
Von der letzten Regierung schon angekündigt, aber nicht umgesetzt wurde eine neue Gehaltsstaffel für öffentlich Bedienstete mit höheren Einstiegsgehältern und einer flacheren Progression als Anreiz für den öffentlichen Dienst, gemeinsam mit einem neuen Dienstrecht. (Unter anderem ist dabei die Frage zu klären, was die Pragmatisierung ersetzen soll, die für die meisten öffentlich Bediensteten nicht mehr vorgesehen ist.)
Der der Beamtengewerkschaft vorsitzende Fritz Neugebauer, „(im Nebenberuf auch Zweiter Nationalratspräsident und ÖAAB-Chef)“ setzt Conrad Seidl in seinem Kommentar in Klammer dazu, möchte diese Reform der Gehaltsstaffel rasch durchsetzen. Dafür müsste in den ersten Jahren viel Geld „lockergemacht“ werden, da dann die – in großer Zahl gebrauchten – jüngeren Vertragsbediensteten höhere Gehälter erhalten würden.
Nach Conrad Seidl wäre das der Erfolg für den Multifunktionär, den er bei den Personalvertretungswahlen im Herbst 2009 bräuchte; kümmern sollte er sich aber unterstützt mit dem gewerkschaftlichen Druck von uns Mitgliedern vor allem auch um eine befriedigende Lösung der Pragmatisierungsfrage.
Winterbeginn 2008 cs
Mailverkehr mit Neugebauer
GÖD-Chefverhandler Neugebauer hat (während er auch als Mitverhandler bei den Gesprächen zur Regierungsbildung war und da wohl schon seine Wahl zum 2. Nationalratspräsidenten mitverhandelte) eine Gehaltserhöhung für 2009 von 3,55 Prozent herausverhandelt. An die Mitglieder der GÖD-Bundeskonferenz schrieb er dann folgendes Mail:
„Solltest du, werte Kollegin, werter Kollege, mit dem erreichten Ergebnis einverstanden sein, so ersuchen wir um Rückmeldung via e-mail an das Zentralsekretariat (zentralsekretariat@goed.at). Erfolgt keine Rückmeldung wird Zustimmung angenommen.
Mit gewerkschaftlichen Grüßen
Fritz Neugebauer eh.
Vorsitzender“
Wilfried Mayr, Mitglied dieser Bundeskonferenz und Vorsitzender der ÖLI-UG, schrieb ihm zurück:
„Verstehe ich richtig: Wenn man rückmailt, ist man einverstanden. Wenn man nicht rückmailt, erklärt man damit seine Zustimmung? Was sollen wir da nun tun???
Ich versuche es trotzdem einmal folgendermaßen: Wenn wir Öffentlich Bedienstete uns einer zweifelsfrei nicht von uns verschuldeten Finanzkrise ärgsten Ausmaßes gegenübersehen, sollten wir zumindest den klein- und mittelständischen Unternehmen mittels unserer Kaufkraft unter die Arme greifen können, und dazu brauchen wir mehr als eine prozentuelle Erhöhung bzw. eine Erhöhung in diesem Prozentbereich, der uns gegen die Metaller und Privatangestellten ausgesprochen bescheiden aussehen lässt. Den Wenigverdienenden unter uns sollte durch einen deutlichen Mindestbetrag geholfen werden! Daran ist offensichtlich in keiner Weise gedacht. 0,1 % über der Inflationsrate winkt uns an der Teilhabe am Wirtschaftwachstums von 2,6 % glatt vorbei. Dieses Vorbeiwinken kann nicht Aufgabe der Gewerkschaft sein.
Wir FunktionärInnen hätten es bei der Mitgliederwerbung nicht gar so schwer, wenn die BeitragszahlerInnen auch zu Recht das Gefühl haben könnten, in entscheidenden Dingen mitbestimmen zu dürfen. Gerade Gehaltsabschlüsse schreien nach einer Urabstimmung und würden die Position unserer Verhandler stärken mit dem Hinweis, dass sie das Ergebnis vor den Mitgliedern zu vertreten hätten.
Ich bin aus den angeführten Gründen mit dem Gehaltsabschluss nicht einverstanden.“
Sollten Sie auch nicht einverstanden sein, können Sie die in Neugebauers Mail oben zitierte Adresse benützen.
14. 12. 08 cs
Welchen Sinn machen die Kernthemen bei der Matura Neu?
Bis zum Frühjahr soll der Verordnungstext zur Reifeprüfung Neu vorliegen, Zentralausschuss und gewerkschaftliche Bundesvertretung (früher hieß das BSL) dürfen ein bisschen mitreden. Dabei wurde erreicht, dass es die Wahlmöglichkeit von 3 oder 4 schriftlichen (und dann 3 bzw. 2 mündlichen) Prüfungen geben wird und die Anzahl der Kernthemen bei Fächern mit wenigen Stunden reduziert wird. Reinhart Sellner, der für die ÖLI-UG an diesen Verhandlungen teilnimmt, sieht bei den MinisteriumsbeamtInnen und BIFIE-Leuten Bewegungsspielraum in folgenden zwei Fragen:
* Möglichkeit des Ausbesserns einer negativen schriftlichen durch eine zusätzliche mündliche Prüfung
* Präsentation der Fachbereichsarbeit als mündliche Schwerpunktprüfung
(Siehe Sellners Artikel in Kreidekreis 8/2008, S4 bis 6, Download von dieser Webseite)
Vermutlich ab 2014 werden wir in der AHS die „standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung“ mit den von Ministerium und BIFIE vorgelegten Rahmenbedingungen abhalten müssen. Für die zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen bei der Schriftlichen treten viele FremdsprachenkollegInnen vehement ein. Das BIFIE, das für die Entwicklung und Durchführung der Tests zu den Bildungsstandards (in der 4. Klasse Volksschule und 8. Schulstufe) zuständig ist, will diese Form der Reifeprüfung zur Datenerhebung in der 12. Schulstufe, und unter anderem auch aus diesem Grund wird das nicht mehr verhandelbar sein. (Die Verquickung von Standards und Reifeprüfung in dieser Form - kommt ja von „reif“ - ist trotzdem irgendwie daneben.)
Aber warum wollen uns BIFIE und Ministerium den Klotz mit den 30 Kernthemen (von 15 in Fächern mit weniger Stunden wird momentan gesprochen) mit je 3 Fragen umhängen? Ich stelle mir vor, wie sich die FachkollegInnen an den Schulen auf diesen Katalog einigen: Welchen Vorteil sieht man in diesem verordneten Konfliktpotential? Und dann habe zB ich als Deutschlehrer in jedem Oberstufenjahr sieben bzw. acht dieser Themen durchzubringen, also Oktober bis April/Mai je eines pro Monat. Jeweils müssen drei Maturafragen dabei herausschauen. Dasselbe muss wahrscheinlich auch die Kollegin in BE tun oder in Psychologie/Philosophie, und das mit zwei Wochenstunden. Sogar in der Wirtschaft sind Kreativität und Spontanität gefragt, warum wollen BeamtInnen und BIFIE-Leute uns das austreiben? Worin liegt der tiefere Sinn eines solchen Korsetts?
Den Klotz mit den Kernthemen müsste die Gewerkschaft zerbröseln, darauf sollten wir unsere Anstrengungen konzentrieren.
8. 12. 2008 cs
Kapitel Bildung in der Regierungserklärung
Die Regierung war schneller gebildet als wir die, die künftig regieren, davon überzeugen konnten, dass sie mit einer Bildungsoffensive gegen die Finanzkrise angehen müssten (siehe unten). Dafür sind laut Regierungsprogramm nämlich nur 50 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen (2008 waren's 145), womit die Finanzkrise natürlich nicht bewältigt werden wird. (Als Größenvergleich: 2008 werden im Budget unter dem „Kapitel 12, Unterricht und Kultur“ 6,73 Mrd. veranschlagt.)
Die fehlende offensive Haltung ist auch an den im Kapitel Bildung des Regierungsprogramms zusammengeschriebenen Vorhaben abzulesen: „Die pädagogischen Hochschulen haben eine zentrale Rolle in der Aus- und Weiterbildung der Lehrenden“, in der LehrerInnenausbildung soll es eine enge „Kooperation zwischen den Universitäten und den Pädagogischen Hochschulen“ geben. Immerhin ist angedacht, die derzeitige Ausbildung der KindergartenpädagogInnen weiterzuentwickeln („aufbauend oder ergänzend“) „an den Pädagogischen Hochschulen bis hin zur Einrichtung von Bachelor-Studiengängen“ - allerdings ist dieser Punkt mit einem Sternchen versehen, und das heißt: Wenn das Budget es zulässt. „Ganztägige Schulformen und Ganztagsbetreuungsangebote ... sind bedarfsgerecht auszubauen, wobei regional die Wahlmöglichkeit sichergestellt wird.“ „Ab der 7. Schulstufe sollen erste Formen der Wahlpflicht- und Kursangebote im Rahmen der Schulautonomie erstellt und die Oberstufe der AHS in modularisierter Form weiterentwickelt werden“ und die „Modelle auf der Sekundarstufe I (Neue Mittelschule) werden mit dem Ziel der Erhöhung der horizontalen und vertikalen Durchlässigkeit weiter entwickelt. ... Zusätzlich ist die qualitative Weiterentwicklung der Hauptschulen und der AHS-Unterstufe sicherzustellen“ Punkt Überhaupt wird vieles weiterentwickelt und weiter entwickelt. Eine der zentralen Aufgabe der Schulleitungen wird die Mitwirkung bei der Personalauswahl sein, und ab einer bestimmten Schulgröße soll es ein mittleres Management geben. Und was schon einmal im Entwurf der „Bundesstaatsreform“ da war, kommt jetzt vielleicht dann wirklich: „Die Bezirks- und Landesschulräte und deren Kollegien werden abgeschafft werden. ... Bildungsdirektionen werden eingerichtet.“ Nach dem damaligen Verfassungsänderungsentwurf hätte der Landeshauptmann / die Landeshauptfrau den Bildungsdirektor plus Stellvertreter ernennen sollen.
Die Finanzkrise werden wir damit, wie schon gesagt, nicht in den Griff bekommen.
26.11.08 cs
Investitionen in Bildung als Antwort auf Finanzkrise
Zu jubeln über die Finanzkrise wäre angesichts dessen, wie sie Hunger, Elend und Arbeitslosigkeit vergrößert, pervers. Aber Einiges kann man ihr als Gegner des Neoliberalismus schon abgewinnen: Stephan Schulmeister meint zB wie viele andere auch, dass die Maastricht-Kriterien beim Gegensteuern hinderlich sind und das staatliche Defizit erhöht werden muss. Er empfiehlt neben der Senkung der Sozialabgaben, einer bedarfsorientierten Grundsicherung und dem Vorziehen von Infrastrukturmaßnahmen: „Gezielte Ausweitung der Vorschulerziehung (kostenlos). Beschäftigung arbeitsloser Lehrer, insbesondere zur Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Ausweitung der Investitionen im Bildungsbereich.“ (Der Standard 5. 11. 08)
Ulrich Blum, Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, empfiehlt der deutschen Regierung ebenfalls, in die Bildungsinfrastruktur zu investieren - statt etwa den Autokauf zu unterstützen (Mittagsjournal 15. 11.). Außenminister Steinmeier hat beim „Weltfinanzgipfel“ in Washington dann auch unter anderem „eine umfassende Bildungsoffensive“ gefordert (Kurier 16. 11.).
Hans Rauscher sieht noch einen Grund, warum in „Ausbildung“ (wir würden hier lieber von Bildung reden) zusätzliches „Geld hineingegeben werden“ muss: Damit weniger von den „unruhigen, frustrierten, von Zukunftsängsten bedrückten Jungen“ Strache wählen. (Der Standard 8. 11. 08)
Jetzt müssen wir nur noch Faymann und Pröll von dieser Strategie überzeugen.
16. 11. 08 cs
Und was lernen wir daraus? 26.10.2008
Am Donnerstag, 23. Oktober brachte Die Presse auf Seite 5 (und auch in der Online-Ausgabe) die Ergebnisse einer Umfrage, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied in Auftrag gegeben hat. Und entgegen dem, was bisher meist veröffentlicht wurde, wird da die gemeinsame Schule von den Österreichinnen und Österreichern als gar nicht mehr so grauslich eingeschätzt:
Auf die Frage „Halten Sie eine gemeinsame Schule bzw. einen gemeinsamen Unterricht der 10- bis 14-Jährigen ...?“
wählen 27 Prozent die Antwort „für eine gute Sache“ und immerhin noch 37 „(für) überlegenswert“.
Nur 24 Prozent finden das „eine schlechte Sache“ und 12 wissen nicht, was sie davon halten sollen.
Als interessierter Leser fragt man sich, wie diese Ergebnisse zustande kamen. Die Presse ist da recht zurückhaltend, sie erwähnt nur, dass die Frau Ministerin in einem „Schulmonitoring“ zweitausend Personen befragen ließ. Andere Zeitungen berichten nichts darüber, aber auf der Webseite der Frau Ministerin ist Näheres zu finden: unter dem Punkt „Studien und Berichte“ mit dem Datum 17. Juli. (Es war die jährlich vom Ministerium bei ifes in Auftrag gegebene „Bevölkerungsbefragung zum Schul- und Bildungswesen“.) Brandaktuell war Die-Presse-Meldung also nicht. Hatte jemand aus der Wirtschaftskammer angerufen und gesagt: Bringts wieder einmal was Positives aus der Gesamtschulecke?
Uns soll's recht sein, wenn sie das aufwärmen.
Und was können wir daraus lernen? Dass man sich seine BündnispartnerInnen nicht immer aussuchen kann? (Oder müssten wir wie der CIA-Beamte in dem neuen Film der Coen-Brüder sagen: „Ja, das wissen wir auch nicht so recht?“)
Am Nationalfeiertag 08 cs
